Susanne Schwarzer, Lead Link People & Network, Europace AG

TL;DR: “Die größte innere Revolution, die wir starten können, ist die eigene Schöpferkraft wieder anzuerkennen.” (L.M.Seiler)

Gemeinsam Wachstumspfade betreten

Teil 1: Vom Fehlerzoom zur Schöpferkraft

Wir sind Europace.  Europace, ein Technologieunternehmen, heute würde man sagen ein “Fintech”, das über lange Jahre fest im Markt etabliert ist. UND wir sind auf dem Weg. Auch auf dem, ein wirklich selbstorganisiertes Unternehmen zu werden, das sich seiner Leistungskraft bewusst ist und das den Markt neu gestalten wird.

Ich selbst habe die Rolle eines Leadership Enablers inne. Darunter kann man sich vorstellen, dass ich mit Impulsen Entwicklungswärme erzeuge, das Unternehmen, die Menschen und vor allem die Leader in Bewegung bringe und dann möglichst innerlich entspannt zuschaue, was daraus entsteht. Das liest sich spannend und das ist auch, nur läuft es meist nicht so einfach ab.

Wenn etwas neu ist, Veränderung erzeugt und im “Jetzt” Schritte gegangen werden müssen, erzeugt der innere Beschützer in uns Angst, Abwehr, um etwas altes Wertvolles zu beschützen. Fight, Flight or Freeze ist die Wahl die wir haben. Und am wenigsten sehen wir oft Menschen, die ins Flugzeug steigen und vorfreudig auf Veränderung zusteuern.

“Was immer Du tun und erträumen kannst, du kannst damit beginnen. Im Mut liegen Schöpferkraft, Stärke und Zauber.” (Goethe)

Stellt euch vor, ein Schmetterling  würde versuchen, einen Felsen  zu bewegen. Oder in Fachsprache: ein Katalysator bewegt Beständigkeit.

Und ich bin kein einziger, alleiniger Schmetterling, wir sind viele und flattern überall im Unternehmen herum.

Und überall im Felsen gibt es noch mehr Schmetterlinge, nur können sie nicht mehr fliegen, sie können sich noch nicht einmal loslösen, von dem was war. Die Schwere der Vergangenheit hat sie fest im Griff. So fest, das genau diese Option, einfach mal loszufliegen, versperrt ist.

Bei uns sind das die Historie, Strukturen, Prozesse und auch unser Betriebssystem, die Holakratie, die ein festes Regelwerk vorschreibt. Einfach mal machen, ist da nicht. Einfach mal schnell tun, braucht den Abgleich, eigentlich mit allem, was schon da ist. Der Fehlerzoom ist ein mächtiger und getarnter Modus. Er ist dafür da, uns vor Fehlern in der Zukunft zu schützen. Nur woher weiß der Fehlerzoom, wie die Zukunft sein wird, wenn er immerzu die Vergangenheit im Kreis analysiert und nur versteht und rein lässt, was gefiltert durch die eigenen Glaubenssätze dazu passt. Wenn er aus den Mustern der Vergangenheit die Zukunft projiziert, die doch auch so ganz anders sein kann und darf.

Neulich sagte mir ein Kollege, wieso ich eigentlich mit Lösungen komme, ohne mir ausreichend Zeit zu nehmen, das Problem am besten mit allen gemeinsam, verstanden zu haben. Schließlich würden wir so in der Produktentwicklung miteinander arbeiten und für Führung gilt das auch, deshalb würde er vorschlagen…..

Und so lädt die Schleife der Vergangenheit die Schmetterlinge dazu ein, sich der systemischen Dynamik zu unterwerfen und sich anzupassen und einzupassen, in das was war und noch lange sein wird, um die Ergebnisse der Vergangenheit immer wieder neu zu bestätigen.

Doch keiner von den Schmetterlingen kann diese Einladung annehmen. Allein die Anpassung ist ein Problem. Immerzu muss ich abwägen, wann kann ich das System betreten und wann muss ich rauszoomen und es beobachten. Welche Intervention bereitet zu welchem Zeitpunkt einen nächsten Schritt vor und wann trägt sie über die Schwelle. Multidimensionale Begleitung ist eine Herausforderung. Es ist nicht einfach, aus vielen Perspektiven und Optionen, die ich sehe und zur Verfügung habe, die nächste anschlussfähige Option zu finden. Vor allem die Option, die am besten funktioniert.

Komplexe Interventionen garantieren keinen Erfolg, es passiert nicht B nach A. Es passiert etwas Neues. Etwas, mit dem wir schöpferisch und co-kreativ gemeinsam weiter gestalten können. So, dass es für uns passt.

Nun fehlt vielen dafür bis jetzt die Vorstellungskraft. Wie geht so etwas? Was soll das überhaupt sein? Vielleicht ein bisschen so, wie eine Operation am offenen Herzen?

Komplexe Systeme verändern sich komplett, je wirksamer die Intervention, desto ungewisser deren Ausgang. Und so kann ich nicht sagen, was genau, ganz konkret entsteht, wenn wir es so oder so tun. Ich weiß nur ganz genau, dass wir es tun müssen und auch wann. Und wenn es getan ist, werden die Schmetterlinge unserer Organisation multiperspektivisch analysieren und den nächsten wirksamen Schritt auswählen und von dort aus, gehen wir dann gemeinsam weiter.

Und wie willst Du denn garantieren, dass wir genau dort ankommen, wo wir hinwollen?

Das werde ich so oft gefragt. Und die Antwort ist einfach: Weil wir die Verbindung von Menschlichkeit und Höchstleistung schon in uns tragen. Weil uns nur unsere inneren Widersprüche davon abhalten, weiter zu gehen. Und weil es sich gut anfühlt, weil es es wert ist, unsere Ängste und Analysen der Vergangenheit einfach loszulassen, um voran zu kommen auf dem Weg zu kreativer, intuitiver und leichter Technologie.

Also lasst es uns einfach gemeinsam tun. Lasst uns, unser altbekanntes Spiel wechseln, vom Fehlerzoom zur Schöpferkultur.

Und auch, wenn wir noch nicht alles, von dem hier Geschriebenen ganz exakt verstehen und sehen können, gibt doch auch einen Anteil in uns, der darum weiß und intuitiv erahnen kann, dass wir auch ohne alles genau zu wissen, neue und inspirierende Dinge tun können und gemeinsam Wachstumspfade betreten werden.