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Selbstorganisation - Do’s and Don’ts

Die Privatkredit Unit (PKU) wurde Mitte 2015 aus drei Bereichen gegründet und nutzt seitdem Kreise und Konsent. Anfang 2017 haben wir begonnen uns in Soziokratie (und S3) einzuarbeiten und sind dabei unsere Organisation darauf umzustellen. Bei der Selbstorganisation sowohl im Kontext der PKU als auch außerhalb haben wir unterschiedliche Verhalten und Probleme wahrgenommen und Erfahrungen gesammelt. Einige dieser wollen wir hier nochmals kurz verdeutlichen und zusammenfassen, um die anschließenden Empfehlungen besser nachvollziehen zu können.

Beobachtungen und Erfahrungen

  • Entscheidungen werden vermengt mit Diskussionen und dauern zu lange
  • Oft ist unklar welche Autonomie und welche Verantwortung ein Kreis hat und warum es ihn gibt
  • Kreise überlappen sich und reduzieren damit die jeweilige Autonomie
  • Das Zusammenspiel der einzelnen Kreise ist unklar
  • Nicht immer sind die relevanten Mitglieder in einem Kreis
  • Oft ist das Handeln im Kreis nicht transparent
  • Oft ist nicht klar wer sich um den Kreis kümmert, wenn dieser nicht funktioniert
  • Es ist unklar ob und wie ein Aussenstehender Themen einbringen kann
  • Manche Kreise haben Rollen wie Lead Link, doch eine Begriffs- und Aufgabenklärung ist ungenügend
  • Wir haben uns Elemente aus soziokratischen Systemen wie Holacracy, Soziokratie und S3 genommen und interpretiert ohne genug Hintergrundwissen aufgebaut zu haben, so dass die ursprüngliche Intention reduziert wurde bzw. verloren gegangen ist

Empfehlungen

good enough for now, save enough to try

Mach kleine Schritte. Jeder Schritt, der dich von deinem Schmerz etwas weg bringt ist gut. Es muss nicht (und wird nie) der perfekte Schritt sein.

people who work together, decide together

Wir wollen die Entscheidungsmacht auf die niedrigste/spezifischste Ebene bringen. Derjenige der das Wissen/Können hat, sollte auch die Entscheidung fällen. Keine Hierarchiespiele der Linie entlang.

Ein Kreis ist transparent und stellt seine Informationen zur Verfügung

So sind bspw. die Policies einsehbar, ebenso wie die Entscheidungen und die Meeting Minutes der Kreistreffen.

Kreise haben keinen Selbstzweck, sondern haben das Ziel die Organisation zu vereinfachen

Wir hatten zuvor viele Kompetenzkreise, die wenig bis keine Organisation benötigten.

Jeder Kreis hat einen Circle Coordinator

Der Circle Coordinator (CC) kümmert sich um die Vitalität des Kreises und im Zweifel auch um dessen Auflösung/Integration. Soziokratie nennt diese Rolle Leader. Dieser Begriff ist bei uns verbraucht und eher negativ behaftet. In Holakratie ähnelt diese dem Lead Link.

Jeder Kreis braucht ein klares Mandat (einen Treiber, eine Domäne und ein Ziel)

Der übergeordnete Kreis gibt das Mandat und kann es auch wieder entziehen. Insofern gibt es eine fachlich getriebene Hierarchie, die jedoch mit einer klassischen Macht-über-Hierarchie nichts zu tun hat! Beim Entziehen sind Circle Coordinator und Delegate bei der Konsent Entscheidung eingebunden (circular hierarchy).

Ein Kreis ist semi-autonom

Ein Kreis gehört zum großen Ganzen und kann sich nicht selbst sein Mandat geben.

Jeder Kreis hat ein regelmäßiges Governance Meeting (GM)

Die Häufigkeit des GM entscheidet der Kreis autonom. Die Regelmäßigkeit ist Bedarf getrieben und kann z.B. wöchentlich oder jährlich sein.

Jeder Kreis teilt mit wie Feedback und Anliegen an ihn herangetragen werden kann

Zum Beispiel über ein Slack Channel.

Jeder Kreis hat Richtlinien (policies)

Ein Kreis hat Richtlinien wie z.B. die Häufigkeit des GM und macht diese explizit und transparent.

Unterkreise sollten keine Überlappung und auch keine Lücken entstehen lassen
Mach’s in Runden (S3 Pattern 8.1)

Jeder bekommt so die Gelegenheit zu sprechen, einer nach dem anderen. Statt “ja, aber” entsteht eher ein “ja, und”. Siehe auch rounds

Stelle ich ein Problem bzw. eine Spannung fest, habe ich das Recht und die Pflicht dieses zu adressieren. Vor allem auch wenn es in einer anderen Domäne liegt! Dazu gilt es erst einmal den Treiber zu verstehen und im Anschluss zu überlegen, in welche Domäne das Thema gehört. Die Verantwortlichen der Domäne prüfen die Zuständigkeit und Relevanz. Falls sie nicht zuständig sind, geben sie das Thema weiter! D.h. der Problemgeber muss nicht durch das System laufen, sondern das System kümmert sich um das Problem!

don't ask for volunteers

Gedanke hierbei ist, bei der Besetzung einer Rolle oder bei der Nominierung von Kreis-Mitgliedern explizit zu sein und nicht beliebig. Zum Ablauf siehe auch selection process (S3 Pattern 1.9)

Auswahl ist keine Wahl!

Gilt es eine Rolle zu besetzen, sprechen wir von Nominierung und nutzen den selection process (S3 Pattern 1.9). Jemand kann sich auch von außen nominieren. Die Auswahl erfolgt durch ein Proposal des Facilitator und anschliessender Konsent-Runde. Die vorgeschlagene Person muss nicht die mit den meisten Stimmen sein, da es keine Wahl ist.

In Meetings macht es Sinn einen Facilitator und einen Secretary zu haben

Egal ob diese Rollen fest oder dynamisch sind. Das Vorhandensein zu Beginn eines Meetings erhöht die Effektivität und erleichtert das nachträgliche Schaffen der Transparenz für die Kollegen